Wie weiter mit Erfurts kolonialem Erbe?

12.12.2019, 19:30 Uhr, Begegnungsstätte Kleine Synagoge, An der Stadtmünze 4-5

Nachdem der Kolonialismus lange als Randnotiz der deutschen Geschichte angesehen wurde, ist er in den letzten Jahren in den Blick einer breiten Öffentlichkeit getreten: sei es anhand der Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung der Bundesregierung für den Genozid an den Herero und Nama, sei es anhand der Debatte um die Zukunft kolonial angeeigneter Sammlungsobjekte, die durch den französischen Restitutionsbericht von Felwine Sarr und Bénédicte Savoy an Fahrt gewonnen hat.
Was aber hat das alles mit Erfurt zu tun? Vor welche Herausforderungen stellt der Kolonialismus die hiesige Stadtgeschichtsschreibung und Kulturpolitik? Was können städtische Einrichtungen tun, wo ist die Erfurter Zivilgesellschaft gefragt? Konkret: Was passiert mit der „Südseesammlung“, die der Erfurter Kolonialbeamte Wilhelm Knappe seiner Heimatstadt im Jahr 1889 verkauft hat? Wie sieht ein angemessener Umgang mit dem Burenhaus und anderen kolonialen Spuren im Stadtbild aus? Welche Rolle spielt das koloniale Erbe im Selbstverständnis einer demokratischen, diversen und weltoffenen Stadt?
In Kooperation mit dem Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen lädt die Landeshauptstadt Erfurt zu einem Podium, auf dem diese und weitere Fragen zum Umgang mit Erfurts Kolonialgeschichte diskutiert werden.

Teilnehmende:
Viviann Moana Wilmot (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland)
Dr. Urs Lindner (Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und Decolonize Erfurt)
Sarah Laubenstein (amt. Kulturdirektorin, Stadtverwaltung Erfurt)
Dr. Tobias J. Knoblich (Beigeordneter für Kultur und Stadtentwicklung, Stadtverwaltung Erfurt)

Moderation:
Dr. Martin Eberle (Direktor der Museumslandschaft Hessen-Kassel)


Ausstellung „Kolonialismus in Erfurt, 1503 bis heute“

08.11.-21.12.2019, Foyer der Universitätsbibliothek Erfurt

Vom 8.11 bis 21.12.2019 ist die Ausstellung „Kolonialismus in Erfurt, 1503 bis heute“ im Foyer der Universitätsbibliothek zu sehen – mit zwei neuen Postern und erstmalig auch mit Objekten. Wir sind der Meinung, dass der Kolonialismus ein fester Bestandteil der Erfurter Stadtgeschichtsschreibung und ihrer musealen Repräsentation werden muss! Und wir zeigen, wie das gehen kann. 

Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek


10. Dekolonialer Stadtrundgang

08.11.2019, 18:30-20:30 Uhr, Treffpunkt: Ecke Augustinerstr. / Am Hügel

Der zehnte dekoloniale Stadtrundgang findet im Rahmen der langen Nacht der Wissenschaften statt. Er dauert ca. 2 Stunden und endet in der Bahnhofstraße. Danach besteht die Möglichkeit einer gemeinsamen Besichtigung der Ausstellung „Kolonialismus in Erfurt, 1503 bis heute“ in der Universitätsbibliothek. 


Ninth Decolonial City Tour (in English)

September 30, 2019, 5.00 pm, Starting point: corner Augustinerstr. / Am Hügel

What is the relationship between Erfurt and colonialism? Decolonial city walks are provided in order to answer this question. Their guiding assumption is that there are close connections between colonialism and its amnesia on the one hand and contemporary racism and global inequality on the other. The relationship between Erfurt and colonialism cannot be reduced to the short period from 1884 to 1919 when Germany officially had its own colonial territories. It started in 1503, when the merchant house of the Fugger, which was involved in the military occupation and exploitation of several regions of the Americas, established a trading post in Erfurt. And it continues up to this day in the form of buildings, museum collections and racist agitations by right-wing politicians. The city walk traces these manifestations always focusing on the possibility and historic reality of anti-colonial resistance.


«Briefe aus Stein. Von Nazi-Deutschland nach Südafrika»

23.09.2019, 19:00-2100 Uhr, Begegnungsstätte Kleine Synagoge, An der Stadtmünze 4/5, Erfurt

Buchvorstellung & Diskussion mit Professor Steven Robins (Stellenbosch University, Südafrika)

Das alte Postkartenfoto kannte Steven Robins schon, als er in den 1960er- und 1970er-Jahren im südafrikanischen Port Elizabeth aufwuchs. Es zeigt drei ihm unbekannte Frauen. Erst später erfuhr er, dass das Bild die Mutter und die Schwestern seines Vaters im Jahr 1937 in Berlin zeigt, bevor sie in Auschwitz getötet wurden. Seit der Namensänderung von Robinski in Robins erzählte Steven Robins’ Vater nichts mehr über seine Vergangenheit in Europa, nichts über seine Flucht aus Nazi-Deutschland, nichts über das Schicksal seiner Familie – bis Steven, inzwischen ein junger Anthropologe, ihn im Jahr vor seinem Tod befragte. Doch die Informationen, die sein Vater mitteilte, waren dürftig. Schließlich fand Steven Robins Unterlagen über seine Familie in Archiven und entdeckte über hundert Briefe, die die Familie von 1936 bis 1943 aus Berlin an seinen Vater und Onkel geschickt hatte. Dabei las Steven Robins auch Worte der Frauen auf dem Foto.

„Briefe aus Stein“ ist die ergreifende Rekonstruktion einer Familiengeschichte. Die Hilferufe seiner im Nazi-Staat gefangenen Angehörigen erreichten Steven Robins’ Vater in Südafrika, der jedoch nicht helfen konnte und schließlich den Rückzug ins Schweigen wählte.

In seinem Buch untersucht Steven Robins auch die Komplizenschaft seines Fachgebietes, der Anthropologie, die ebenso wie die Eugenik und die Ethnologie die vermeintlich wissenschaftlichen Grundlagen für den nationalsozialistischen Rassismus legte.

Das Buch erscheint im September im Metropol-Verlag (www.metropol-verlag.de).

In Kooperation mit der Initiative „Decolonize Erfurt“, der Professur für Wissenschaftsgeschichte der Universität Erfurt und dem Metropol-Verlag.

! Die Veranstaltung findet auf Englisch statt !

Link zur Veranstaltung: https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/BFH5C/briefe-aus-stein-von-nazi-deutschland-nach-suedafrika/


Kolonialer Rassismus: Die Produktion und Aneignung der „Anderen“ in den Städten Europas

10.07.2019, 19 Uhr, Haus Dacheröden, Anger 37, Erfurt

Eine Veranstaltung mit Dr. Noa K. Ha (TU Dresden, Zentrum für Integrationsstudien)

In ihrem Vortrag geht Noa Ha der Frage nach, wie Menschen in europäischen Städten als „Andere“ markiert und rassifiziert werden – und wie dieser Prozess mit der kulturellen Aneignung und historischen Enteignung dieser „Anderen“ einhergeht.

Folgenden Fragen werden diskutiert: Welche Rolle spielen z.B. ethnologische Sammlungen in den postkolonialen Städten Europas? Wer wurde enteignet, und wer profitierte davon? Wie wurde das Wissen in Europa hierdurch geprägt und was meint Europa über die „Anderen“ zu wissen? Wie ist dieses Wissen bis heute wirksam?

Entlang dieser Fragen wird auf verschiedene (neo-)koloniale Formen der An- und Enteignung der „Anderen“ in europäischen Städten (wie ethnologische Sammlungen, „Völkerschauen“, Weltausstellungen) eingegangen, sowohl in ihrer Wirkmächtigkeit als koloniales Vermächtnis bis in die Gegenwart als auch in unserem Alltagswissen.

Eine Veranstaltung von Decolonize Erfurt in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Thüringen und gefördert durch den LAP Erfurt / Partnerschaft für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, des Thüringer Landesprogramms „Denk bunt“ für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit sowie die Stadt Erfurt.


Seventh Decolonial City Tour (in English)

July 9, 2019, 4.00 pm, Starting point: Willy-Brandt-Platz in front of „Willy Brandt ans Fenster“

The seventh decolonial city tour will take place in cooperation with Bauhaus University Weimar. It will focus on images, stereotypes and cultural appropriation. It will take around two and a half hours and will end at Stadtgarten. (The picture shows how Erfurt´s Boer house commemorates protagonists of white supremacy.)


TRACES vol.I: Ein Theaterstück zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

05.07.2019, 19:30 Uhr, Frau Korte, Magdeburger Allee 179

„TRACES“ – eine theatrale Recherche zu kolonialen Spuren in Berlin und Lomé.

TRACES ist eine Koproduktion zwischen X Perspektiven (Deutschland / Schweiz, www.x-perspektiven.com) und der Compagnie Artistique Carrefour (Togo). In zwei Recherche- und Probenphasen in Lomé (Februar-März 2019) und Berlin (Juni-Juli 2019) entwickelten 12 junge Erwachsene unter theaterpädagogischer Leitung zwei Performances.

Wir freuen uns, die erste der beiden Performances TRACES vol.I in Erfurt präsentieren zu können:

TRACES vol.I: Ein Theaterstück zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ein Stück zwischen zwei Ländern, vielen Identitäten und unzähligen Versionen der Geschichtsschreibung. Ein Stück in dem König Mlapa auf Salvini trifft, Bismarck an Sonnenallergie leidet und die Bücher von Frantz Fanon zur Pflichtlektüre in der Schule ausgerufen werden. TRACES vol.I – Versuch einer gemeinsamen Erinnerung, Versuch einer Utopie.

Regie, Konzept, Produktionsleitung:
Eliana Schüler, Valeria Stocker, Jean Koffi Edem Touglo
Spieler*innen: Hanifatou S. Dobila, Marléne Douty, Raoul Ket, Félicité Kodjo-Atsou, Isabel Kwarteng-Acheampong, Auro Orso, Moïse Pak, Fabrice Paraiso, Maud Ruget, Stephanie Treichel, Annkatrin Votteler-Veit, Anne Zöppig
Grafik: Clara Brandt
Assistenz: Sonia Akou Novinyo, Mirjam Oschwald

Das Stück wird in einer Mischung aus deutsch, französisch und englisch aufgeführt.

Gefördert durch den LAP Erfurt / Partnerschaft für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, des Thüringer Landesprogramms „Denk bunt“ für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit sowie die Stadt Erfurt.

Open Air Veranstaltung
Wann: Freitag, 5. Juli 2019
Wo: Frau Korte, Magdeburger Allee 179
Einlass: 19:30 | Beginn: 20:00
AK: 4 – 6€
Im Anschluss an das Theaterstück bleibt noch Zeit für Fragen und eine Diskussionsrunde.

Weitere Infos: https://www.facebook.com/events/1263370623827934/


„Refugee Gambarab“ – ein transkulturelles Wochenende von Gambia bis „Arabien“

14. bis 15.06.2019, im KulturQuartier Schauspielhaus

Unter dem Titel „Refugee Gambarab“ organisieren der dindingo-Gambia e.V., Slow Budget Productions und der Kulturquartier Erfurt e.V. in Kooperation mit der Seebrücke Erfurt und Decolonize Erfurt ein vielseitiges und spannendes Programm.
Gleichzeitig begeht der Erfurter Verein dindingo-Gambia e.V. mit diesem vollgepackten Wochenende seine Volljährigkeit und das soll gefeiert werden!

Am Freitag und Samstag erwartet die Gäste:

  • eine Fotoausstellung über Gambia
  • Infostände verschiedener Vereine und Initiativen
  • ein Konzert der syrisch-deutschen Hamburger Band „Shkoon“ mit Oriental Slow House-Klängen
  • eine Party mit globalen Sounds durch DJane Pachamama & friends
  • der sechste dekoloniale Stadtrundgang durch Erfurt
  • ein Workshop zu Fluchtursachen in Gambia
  • gambisches Essen
  • eine Filmdokumentation zur Perspektive auf das Thema irreguläre Migration in Gambia sowie anschließender Gesprächsrunde mit dem Filmemacher
  • noch mehr Musik beim DJ*ane-Karussel
  • und natürlich viel Austausch, Amüsement, neue Kontakte und vielleicht die ein oder andere Erkenntnis!

Der sechste dekoloniale Stadtrundgang findet am 15. Juni statt und wird sich Themen wie zum Beispiel Konsum und (Neo-) Kolonialismus und Deutsche Entwicklungspolitik widmen. Treffpunkt zum Stadtrundgang ist 12 Uhr vor dem Anger 1 (am neuen Angerbrunnen).

Das gesamte Programm ist kostenfrei, Spenden sind willkommen.


Die Kommunalwahl, die Parteien und die Aufarbeitung des Kolonialismus in Erfurt

Am 26. Mai 2019 finden in Thüringen die Kommunalwahlen statt. Während das Stadtbild viele verschiedene und bunte Plakate schmücken und wenige konkrete Antworten zu kommunalpolitischen Fragen geboten werden, haben wir die im Erfurter Stadtrat vertretenen demokratischen Parteien sowie die Mehrwertstadt befragt, wie sie mit den Spuren und Kontinuitäten des Kolonialismus in Erfurt umzugehen gedenken. Insgesamt handelt es sich um sieben Fragen, die wir den Parteien als Wahlprüfsteine vorgelegt haben: zur Umbenennung von Straßen wie dem Nettelbeckufer, zur kritischen Kommentierung des Burenhauses, zur Zukunft der „Südseesammlung“, zu problematischen Inszenierungen im Zoopark, zur Einführung von Rassismus- und Diversitytrainings in der Stadtverwaltung, zur Aufarbeitung der Erfurter Hetzjagd von 1975 sowie zur Bereitstellung von Finanzen für die dekoloniale Erinnerungsarbeit. Antworten kamen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE., FDP und Mehrwertstadt. Im Folgenden eine selektive Auswertung der Antworten, die wir erhalten haben. Wer Interesse an mehr und die nötige Zeit zur Lektüre hat, kann sich im Anhang sämtliche Fragen und Antworten zu Gemüte führen.

Auch in Erfurt finden sich Straßennamen, die kolonialhistorisch belastet sind. Ein prominentes Beispiel ist das Nettelbeckufer, dessen Namensgeber durch den Handel mit versklavten Menschen reich geworden ist. Wir wollten wissen: Wie verhält sich Ihre Partei zu Straßennamen, die das koloniale Unrecht als etwas Positives erscheinen lassen? Werden sich Ihre Stadtratsfraktion und Ihre Mandatsträgerinnen und Mandatsträger für Umbenennungen kolonial belasteter Straßennamen einsetzen? Alle vier Parteien, die unsere Wahlprüfsteine beantwortet haben, teilen das Problembewusstsein hinsichtlich derartiger Straßennamen. DIE LINKE. zieht eine kritische Kommentierung durch Plaketten einer Straßenumbenennung vor. Die Mehrwertstadt hat ebenfalls eine Tendenz in Richtung Plakette und möchte das Problematische im Stadtbild sichtbar halten. Die FDP steht einer Überprüfung von Straßennamen durch ein interdisziplinäres wissenschaftliches Team offen gegenüber. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN verweisen in ihrer Antwort auf die Diskussionen um Straßennamen mit NS-Bezug und lassen eine Bereitschaft zur Umbenennung erkennen.

Erfurt verfügt mit der „Südseesammlung” über eine Ausstellung, deren Zustand nicht den Standards der gegenwärtigen erinnerungspolitischen Debatte entspricht. Nicht nur ist die Provenienz der rund 600 Kulturobjekte nach wie vor ungeklärt, auch werden menschliche Überreste ausgestellt. Der koloniale Gewaltzusammenhang, innerhalb dessen der Erfurter Kolonialbeamte Wilhelm Knappe die Sammlung „erworben” hat, wird in der Ausstellung verharmlost. Unserer Fragen lauteten: Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die menschlichen Überreste, die im Benaryspeicher lagern, unverzüglich zurückgegeben werden? Sind Sie bereit, einen Dialog über die Zukunft der „Südseesammlung” zu unterstützen, der die Herkunftsländer der Kulturgüter einbezieht? Was sind Ihre Pläne bezüglich der „Südseesammlung”? Die Mehrwertstadt möchte die Rückführung menschlicher Überreste den Herkunftsländern anbieten und mit ihnen auch über die Zukunft der Sammlung insgesamt sprechen. Die Bündnisgrünen legen einen starken Akzent auf die Einbeziehung der Herkunftsländer in die Diskussion und regen darüber hinaus eine kritische Auseinandersetzung mit der Sammlung im Gothaer Schloss Friedenstein an. Die Linkspartei unterstützt uns hinsichtlich der „Südseesammlung“ „vollumfänglich“ und geht mit Vorschlägen zur Restitution sogar noch weiter als wir. Bei der FDP gibt es aktuell keine Beschlusslage zum Umgang mit der Sammlung.

Der Rassismus auch im heutigen Deutschland hat seine Wurzeln im Kolonialismus. Ein Ereignis, das diese Kontinuität verdeutlicht, ist die Hetzjagd auf Arbeitsmigrant*innen aus Algerien, die im August 1975 in Erfurt stattfand. Wir haben den Parteien dazu folgende Fragen gestellt: Welche Bedeutung messen Sie diesen Übergriffen bei? Was werden Sie tun, um diese Übergriffe und die Diskriminierungen, denen „Vertragsarbeiterinnen“ und „Vertragsarbeiter“ in der DDR ausgesetzt waren, aufzuarbeiten und geeignet daran zu erinnern? Für die FDP umfasst eine historische Aufarbeitung derartiger Unrechtstaten eine Reihe von Maßnahmen, darunter die schulische und außerschulische Behandlung. Die Mehrwertstadt möchte als ersten Schritt einen Prüfauftrag an die Stadtverwaltung richten. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN verweisen darauf, dass sie bereits eine Veranstaltung mit Harry Waibel zum Thema durchgeführt haben. Für sie ist es ein Ziel, dass auch dieser Teil der Vergangenheit aufgearbeitet und aufgeklärt wird. Sie adressieren die Gedenkstätte Andreaskirche und die Landeszentrale für politische Bildung als angemessene Orte, um über Rassismus in der DDR offensiv aufzuklären. DIE LINKE. verweist auch auf die Gedenkstätte Andreaskirche, die für die „DDR-Aufarbeitung“ finanziell ausgestattet ist.

Ausgewählte Wahlprüfsteine auf einen Blick:

Frage BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN DIE LINKE. FDP Mehrwertstadt
Umbenennung von kolonialhistorisch belasteten Straßennamen X = X
Kommentierung von Straßennamen durch Zusatzschilder =
Anbringung einer Plakette am Burenhaus, die auf den Zusammenhang zwischen Kolonialismus, Burenrepubliken und südafrikanischer Apartheid verweist = X
Dialog über Zukunft der „Südseesammlung“ mit Herkunftsländern =
Rückgabeangebot menschlicher Überreste =
Antirassismus-und Diversitätstrainings in der Stadtverwaltung 
Aufarbeitung der Erfurter Hetzjagd von 1975 =

Zustimmung (√), Ablehnung (X), Offene Antwort (=), Keine passenden Angaben (-)

Die Beantwortung der Wahlprüfsteine durch die vier Parteien zeigt, dass sie sich mit den Spuren und Kontinuitäten des Kolonialismus in Erfurt befasst haben und gewillt sind, zu seiner Aufarbeitung beizutragen. Wir hoffen, dass diese Bereitschaft auch nach der Wahl anhält. Wir wünschen uns, dass auch die anderen Erfurter Parteien beginnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen und es ernst zu nehmen. Es geht um Unrecht, dass nicht vergessen werden darf.

Wahlprüfsteine – vollständige Antworten


Fünfter dekolonialer Stadtrundgang

06.06.2019, 16 Uhr, Treffpunkt: Ecke Augustinerstr./Am Hügel

Der fünfte dekoloniale Stadtrundgang findet in Kooperation mit dem Historischen Seminar der Universität Erfurt statt. Er hat einen globalgeschichtlichen Schwerpunkt und verdeutlicht damit einen zentralen Aspekt unseres Ansatzes: Es reicht nicht aus, den deutschen Kolonialismus zeitlich und institutionell zu erweitern (von den Fuggern und Welsern Anfang des 16. Jahrhunderts bis heute), sondern das koloniale Erfurt muss auch räumlich neu verstanden werden – in seinen globalen Verflechtungen und Bedingungskonstellationen.
(Das Foto ist vom „Kongress gegen koloniale Unterdrückung und Imperialismus“, der 1927 in Brüssel statt fand, und zeigt, von links nach rechts: Willi Münzenberg, Jawaharlal und Kamala Nehru, Ernst Toller, Georg Ledebour, Henriette Roland-Holst, Edo Fimmen.)


Ausstellung „Kolonialismus in Erfurt – 1503 bis heute“

13.05. – 31.05.2019, Ausstellung „Kolonialismus in Erfurt – 1503 bis heute“ im Thüringer Landtag vor Raum F 201

Was hat der Erfurter Fischmarkt mit Kolonialismus zu tun? Was die Straßennamen auf Karten, die Tourist*innen zur Orientierung dienen? Welche koloniale Geschichte haben Karten überhaupt? Wie ist die reichste Familie Erfurts reich geworden? Inwiefern weisen der Domplatz, das Theater oder der Zoopark koloniale Kontinuitäten auf? Was für eine Botschaft transportiert die „Südseesammlung“? Und gibt es vielleicht sogar historische Verbindungslinien zwischen Erfurt und antikolonialen Kämpfen? Die Ausstellung „Kolonialismus in Erfurt – 1503 bis heute“ beantwortet diese und noch viele andere Fragen.

Nachdem die Ausstellung „Kolonialismus in Erfurt – 1503 bis heute“ bis zum 11. Mai im Haus Dacheröden zu sehen war, kann sie nun vom 13. bis 31. Mai im Thüringer Landtag besichtigt werden.


Vierter dekolonialer Stadtrundgang

14.05.2019, 16 Uhr, Treffpunkt: Haus Dacheröden, Anger 37, Erfurt

Decolonize Erfurt bietet am 14. Mai um 16 Uhr einen vierten öffentlichen Stadtrundgang an.
Der dekoloniale Stadtrundgang zeigt wie der Kolonialismus in Erfurt fortlebt. Die Ausgangsthese lautet, dass der heutige Rassismus und die fehlende, unvollständige oder beschönigende Erinnerung an den Kolonialismus untrennbar miteinander zusammenhängen. Der Stadtrundgang ist als geschichtspolitische Intervention angelegt, die Partei ergreift für eine gewaltfreie, egalitäre und demokratische Zukunft. Thematisiert wird daher nicht nur das (relativ) Offenkundige, z.B. der Handel mit versklavten Menschen oder der koloniale Genozid, sondern auch das, worüber kein Konsens besteht, das vermeintlich Neutrale etwa in Wissenschaft und musealer Darstellung oder das vermeintlich Harmlose, z.B. eine Figur im Schaufenster, eine Darbietung im Zoo oder eine Aufführung im Theater. Ein zentraler Bezugspunkt ist dabei immer auch der antikoloniale Widerstand, der eine Inspiration dafür sein kann, wie es anders und besser geht.

Eine Veranstaltung von Decolonize Erfurt in Kooperation mit dem AWO Landesverband Thüringen e.V.

Douglas Booth (lecture in English) – Disentangling race: Re-narrating apartheid sport

03.05.2019, 17 Uhr, Haus Dacheröden Anger 37

Abstract: In this presentation I search for interracial entanglements in South African sport and consider how these experiences may be narrated. The presentation comprises three sections. In the first I provide an overview of traditional narratives of apartheid and apartheid sport that focus on race as a perpetual marker of social division. In the second section I draw attention to the gaps, blind spots, mistakes, paradoxes, ironies, anomalies, ambiguities and invisibilities in the structures of apartheid that allowed for racial encounters and entanglements. I conclude with a discussion about the methodological and political implications of incorporating racial entanglements into narratives of apartheid sport.

Biographical sketch: Douglas Booth is Emeritus Professor of Sport Studies at the University of Otago, New Zealand. He served as the Dean of the School of Physical Education, Sport and Exercise Sciences from 2008-2017 and is the author of The Race Game (1998), Australian Beach Cultures (2001) and The Field (2005). Douglas serves on the editorial boards of Rethinking History and the Journal of Sport History and is an executive member of the Australian Society for Sport History.


Third Decolonial City Tour (in English)

May 3, 2019, 2.00 pm, Starting point: corner Augustinerstr./Am Hügel

What is the relationship between Erfurt and colonialism? In order to answer this question, we have started, in March 2019, to provide decolonial city walks. Their guiding assumption is that there are close connections between colonialism and its amnesia on the one hand and contemporary racism and global inequality on the other. The relationship between Erfurt and colonialism cannot be reduced to the short period from 1884 to 1919 when Germany officially had its own colonial territories. It started in 1503, when the merchant house of the Fugger, which was involved in the military occupation and exploitation of several regions of the Americas, established a trading post in Erfurt. And it continues up to this day in the form of buildings, museum collections and racist agitations by right-wing politicians. The city walk traces these manifestations always focusing on the possibility and historic reality of anti-colonial resistance.


Kolonialismus in Erfurt, 1503 bis heute. Die Debatte geht weiter

Am 30.3.2019 hat die Thüringer Allgemeine ein Pro-und-Contra zur Frage „Hat Erfurt ein ernsthaftes Problem mit dem Thema Kolonialismus“ veröffentlicht. Die Pro-Position wurde von uns vertreten: Wir argumentieren, dass Erfurt bezüglich seiner kolonialen Vergangenheit kein Sonderfall ist und daher in der Tat ein „ernsthaftes Problem“ mit „dem Thema“ hat. Die Contra-Position, eingenommen durch den Historiker Steffen Raßloff, bestand dagegen in erster Linie aus massiven Angriffen auf die Ausstellung „Kolonialismus in Erfurt, 1503 bis heute“, die wir mitkuratiert haben. Wir antworten im Folgenden auf die Vorwürfe, die Raßloff gegenüber der Ausstellung erhebt. Wir zeigen, dass sie haltlos sind, und dokumentieren, dass Raßloff nach Veröffentlichung der TA-Kontroverse angefangen hat, seine im Netz zugänglichen Artikel umzuschreiben.