Wissenschaftliches Gutachten zur Umbenennung des Erfurter Nettelbeckufers in Gert-Schramm-Ufer

Das folgende Gutachten der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und der Initiative Decolonize Erfurt stützt die Forderung nach Umbenennung des Erfurter Nettelbeckufers in Gert-Schramm-Ufer wissenschaftlich ab. Die 13-seitige Stellungnahme wurde von drei Wissenschaftler*innen der Universität Erfurt und der TU Braunschweig verfasst; sie ist die erste kritische Auseinandersetzung mit Joachim Nettelbeck (1738-1824), die in die Tiefe geht. Herausgearbeitet wird die Gewalt, die mit Nettelbecks Position als Obersteuermann auf niederländischen Versklavungsschiffen verbunden war, was genau seine drei Vorschläge zum preußischen Kolonialerwerb umfassten und wie er zum „Volkshelden“ des deutschen Nationalismus wurde.

Mit Gert Schramm (1928-2016) steht ein neuer Namensgeber für die Straße bereit, der über jeden Zweifel erhaben ist. Mit seiner Geburt am Nettelbeckufer verfügt er über den denkbar stärksten Lokalbezug. Seine Person hat Vorbildcharakter und verkörpert die demokratischen Werte von Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Darüber hinaus besteht eine direkte Verbindung zwischen altem und neuem Namensgeber: Gert Schramms Vorfahren väterlicherseits wurden innerhalb eben jenes transatlantischen Versklavungshandels verschleppt, an dem Nettelbeck aktiv beteiligt war.